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Aktionsteam besucht Elternhaus in Göttingen

Auch das Aktionsteam für das Elternhaus Göttingen ist von ständigem Wandel betroffen.

Helferinnen und Helfer müssen aus unterschiedlichen Gründen auf weiteren Einsatz verzichten und andere kommen neu zum Team hinzu. Besonders für die „Neuen“ ist es interessant, sich das Elternhaus anzusehen und Informationen hierzu aus erster Hand zu erhalten. Am Dienstag war es soweit, 9 Mitglieder des Aktionsteams machten sich in einem Kleinbus auf den Weg nach Göttingen.

Bei schönstem Sommerwetter angekommen, wurde das Aktionsteam aufs herzlichste von Herrn Germandi, Kassenwart der Stiftung Elternhaus an der Uniklinik Göttingen begrüßt. Im Garten erwartete die Gäste ein kleiner Imbiß. In gemütlicher Runde erzählte das Team vom letzten Kinder- und Sommerfest und Herr Germandi dankte nun auch persönlich für die wieder unglaubliche Spendensumme.

Herr Germandi erzählte von den Anfängen des Elternhauses und das was wegen des Umzugs der Uniklinik aus der Stadt auf die Grüne Wiese erforderlich wurde.

Der Elternhilfeverein hatte in der alten Uniklinik Zimmer für die Eltern der an Krebs erkrankten Kinder eingerichtet, nun fehlte eine solche Möglichkeit in der Planung der neuen Klinik ganz. Mit der intensiven Unterstützung der damaligen Gesundheitsministerin Rita Süßmuth und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht, einer besonders guten, kreativen Architektin und unglaublich vielen Spendern aus Göttingen schaffte es der Verein das Elternhaus im Jahr 1998 einzuweihen. Nur wenige Jahre später stellte sich heraus, dass Appartements und ein Mehrzweckraum dringend erforderlich sind. Mit dem Anbau erhielt das Haus sein heutiges Aussehen.

Von Anfang an war dem Elternhilfeverein die psychosoziale Betreuung der Familien wichtig und entsprechende Fachkräfte wurden eingestellt.

Die meisten Eltern nehmen dieses Angebot gern an. In den letzten Jahren kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Nachsorge auf der Strecke bleibt. Für die Kinder funktioniert das Angebot, junge Menschen ab 18 Jahre werden nicht mehr berücksichtigt. Bis zum 18. Lebensjahr fallen regelmäßige Kontrolluntersuchungen an. Diese fallen dann weg, weil der junge Mensch nun ja erwachsen ist. Er ist zu alt für das Kinderkrebsprogramm, aber auch zu jung für die Erwachsenenbetreuung. Auf diesem Gebiet gibt es wahnsinnig viel zu tun, einmal für die Krankenkassen und Kliniken, dann aber auch für betreuende Gremien wie das Elternhaus. Hier ist Herr Miest nun speziell für die Nachsorge in allen Bereichen zuständig.

Im Elternhaus haben sich Ehrenamtliche zusammengetan, um die Eltern ein wenig zu entlasten und zu verwöhnen.

Einmal im Monat bereitet dieses Team am Samstag ein Abendessen zu, einmal im Monat gibt es an einem Sonntag für alle ein leckeres „Verwöhnfrühstück“. Viele Eltern aus der Nähe kommen nicht in den Kontakt mit der Elternhilfe. Um auch diese Eltern psychosozial unterstützen zu können, gibt es hier einmal im Monat einen Pizzaabend im Mehrzweckraum der Klinik.

Aktuell wohnen mehr Eltern von Frühchen im Elternhaus.

Für diese Eltern ist die Verweildauer länger, als bei Familien von Krebskindern. Die Krebsbehandlung ist schon so weit fortgeschritten, dass die Kinder meist nur wenige Tage in der Klinik bleiben, dann wieder eine Zeit nach Haus können. Das hat zur Folge, dass der Wechsel immer schneller geht und die Reinigungskräfte wesentlich mehr zu waschen und putzen haben.

Das Elternhaus finanziert sich durch Kassenbeiträge: pro Person und Nacht 45 €. Sind Geschwisterkinder im Haus oder beide Elternteile, gibt es keinen höheren Zuschuss. Ein weiteres Standbein ist die Stiftung. Bei der aktuellen Zinssituation fallen die Zuschüsse hier leider geringer aus. Und dann sind da noch die Spenden. Das Elternhaus benötigt für den laufenden Betrieb jährlich ca. 35.000 €. Dazu kommen die Gehälter für die Fachkräfte, evtl. Reparaturen, Veranstaltungen für Familien, z.B. Trauerwochenenden, Geschwisterbetreuung u.v.m. Im ersten Halbjahr 2017 sind die Spenden um 1/3 zurückgegangen. Setzt sich dieser Trend fort, muss im kommenden Jahr auf die halbe Zusatzstelle für eine Pflegekraft oder einen Arzt auf der Kinderonkologie verzichtet werden. Diese Kosten können dann nicht mehr getragen werden. Umso wichtiger ist es für das Elternhaus, dass es Spendengaranten wie das Aktionsteam aus Goslar gibt.

Im Anschluss führte Herr Germandi das Team in zwei Gruppen durch das Elternhaus.

Beginnend mit der gemütlichen Küche, mit den Kühlschränken die von der Goslarer Spende angeschafft wurden ging es weiter in das Wohnzimmer. Einige probierten die Sitzmöbel, auch eine Spende aus Goslar, gleich aus. Das Jungendzimmer wird aktuell in einen Vielzweckraum umgerüstet. Es stellt sich heraus, dass viele Bücher und PC nicht mehr benötigt werden. Die Musikinstrumente bleiben in dem Vielzweckraum, der dann häufiger genutzt werden kann. Der Hauswirtschaftsraum wurde kräftig genutzt.

Dann ging es in die Seele des Hauses, den Eingangsbereich.

Hier laden der Billiardtisch und die Tischtennisplatte zur sportlichen Betätigung ein, Sitzmöbel sind für die Gemütlichkeit da. Besonders gefiel den Besuchern das Kinderzimmer mit seiner Einrichtung aus Holz und dem vielfältigen Spielzeug. Hier können Kinder nach Herzenslust spielen und toben und Krankheit, Schmerzen und Probleme vergessen. Ein Einzelzimmer und ein Appartement wurden besichtigt. Der Bastel- und Werkraum wird in den Sommermonaten weniger genutzt, der Besprechungsraum umso mehr.

Die Gäste waren begeistert von der Wärme und Geborgenheit, die einen beim Betreten des Hauses und während des Aufenthalts empfängt. Holzverarbeitung und warme Farben bei Einrichtung und Dekor wirken einfach heimelig. Der Außenbereich mit dem Sportbereich – Fallschutzmatten wurden von einer Spende aus Goslar erneuert – Schaukeln, einer Wackelbrücke und Rutsche, den vom Sonnensegel geschützten Sandkasten und der Holzschaukel für Erwachsene begeisterte alle.

Sehr schnell ging die Besuchszeit vorbei.

Alle waren sehr angetan und froh, sich selbst informiert zu haben. Im Kleinbus waren sich alle einig: wir dürfen gar nicht aufhören, wir sollten noch mehr tun. Sinnvoller spenden geht eigentlich nicht mehr!

Karin Kolan – Leiterin Aktionsteam für das Elternhaus Göttingen

Viele Fotos dieses Elternhausbesuches finden sie in unserem Fotoalbum

 

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